Abschlussandacht in Breitenwang - Moment des Innehaltens, des Rückblicks und des Dankens

Wie jedes Jahr fand auch heuer am letzten Schultag die traditionelle Abschlussandacht in der Kirche in Breitenwang statt. Sie bot Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrkörper einen gemeinsamen Moment des Innehaltens, des Rückblicks und des Dankens zum Ende des Schuljahres.

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Die diesjährige Andacht stand unter dem Motto „Du bist“. Im Mittelpunkt der verschiedenen Ansprachen stand die Bedeutung der eigenen Persönlichkeit und die Wertschätzung jedes einzelnen Menschen mit seinen besonderen Eigenschaften, Stärken und auch vermeintlichen Schwächen.

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Als zentrales Symbol begleitete der schiefe Turm von Pisa die Feier. Der Turm wurde ursprünglich nicht so gebaut, wie es geplant war, und seine Neigung entstand durch bauliche Herausforderungen. Gerade diese Besonderheit macht ihn jedoch weltweit einzigartig und zu einem der bekanntesten Bauwerke der Welt.

Dieses Beispiel verdeutlichte eindrucksvoll, dass nicht immer Perfektion entscheidend ist, sondern dass gerade die individuellen Eigenschaften und Besonderheiten einen Menschen unverwechselbar machen.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieser stimmungsvollen Abschlussandacht beigetragen haben. Besonders hervorzuheben sind dabei die Religionslehrerinnen Christiane Racz-Maier und Jasmin Oberforcher, die mit viel Engagement und persönlichem Einsatz die Gestaltung und Vorbereitung der Feier übernommen haben. Ebenso gebührt der Schulband unter Leitung von Matthias Blum und Miriam Gutwenger ein großer Dank, die mit ihrer musikalischen Begleitung für eine besondere Atmosphäre sorgte und die Andacht mit ihren Beiträgen bereicherte.

Ein besonderer Moment der Feier war der persönliche Rückblick von Myrine Schmid auf ihre vergangenen fünf Jahre an der Schule. Sie ließ die gemeinsame Schulzeit Revue passieren und erinnerte an viele besondere Begegnungen, Herausforderungen und prägende Erfahrungen, die sie während ihrer Ausbildung begleiten durften:

Durch das Zusammenspiel aller Beteiligten wurde die Abschlussandacht zu einem würdevollen und gelungenen Abschluss des Schuljahres. Mit der ermutigenden Botschaft „Du bist“ verabschiedete sich die Schulgemeinschaft in die wohlverdiente Sommerpause und blickt mit Zuversicht auf die kommenden Herausforderungen und Begegnungen.

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Ansprache von Myrine Schmid, Absolventin der HTL Reutte:

Der Schiefe Turm von Pisa steht seit Jahrhunderten. Nicht, weil er perfekt gebaut wurde, sondern weil sich immer wieder Menschen darum gekümmert haben, dass er nicht umfällt.

Als ich gefragt wurde, ob ich heute etwas über meine Schulzeit erzählen möchte, war mein erster Gedanke: Aber ich bin doch selbst erst seit ein paar Wochen fertig.
Und dann habe ich gemerkt, dass das vielleicht genau der Grund ist, warum ich heute hier stehe.
Weil ich noch ganz genau weiß, wie es sich anfühlt, dort zu sitzen, wo ihr jetzt sitzt.
Ich war 13 Jahre in der Schule. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich in diesen 13 Jahren mehr als einmal gedacht: Kann die Zeit bitte endlich schneller vergehen?
Vor jeder Schularbeit. Vor jedem Test. Vor jeder Präsentation. Vor manchen Montagen sowieso.
Man wartet immer auf das Nächste. Auf die Ferien. Auf Weihnachten. Auf Ostern. Auf die Sommerferien. Irgendwann zählt man sogar die Wochen bis zur Matura.
Man hat ständig das Gefühl, dass diese Schulzeit ewig dauert.
Und dann...
...ist plötzlich Juni.
Plötzlich schreibt man die letzte Prüfung.
Plötzlich räumt man seinen Spind aus.
Plötzlich verabschiedet man sich von Menschen, mit denen man jahrelang fast jeden Tag verbracht hat.
Und auf einmal fragt man sich: Wie kann das jetzt schon vorbei sein?
Ich bin jetzt seit Juni fertig und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal sagen würde: Irgendwie vermisse ich die Schule.
Nicht die Schularbeiten.
Nicht die Prüfungen.
Aber dieses Gefühl, jeden Tag dieselben Menschen zu sehen. Gemeinsam zu lernen. Gemeinsam zu lachen. Gemeinsam über irgendeine Abgabe zu sudern, die natürlich viel zu kurzfristig angekündigt wurde.
Man merkt erst im Nachhinein, wie besonders diese Zeit eigentlich war.
Das Motto der heutigen Messe ist der Schiefe Turm von Pisa.
Eigentlich hätte dieser Turm nie schief werden sollen. Nach Plan ist damals einiges schiefgelaufen.
Und trotzdem steht er heute noch.
Nicht, weil er perfekt gebaut wurde.
Sondern weil sich immer wieder Menschen darum gekümmert haben, dass er nicht umfällt.
Ich finde, das ist ein unglaublich schönes Bild.
Wir glauben nämlich oft, wir müssten alles alleine schaffen.
Gerade in der Schule.
Man will gute Noten schreiben.
Man will zeigen, dass man alles im Griff hat.
Man möchte sich nichts anmerken lassen, wenn etwas gerade nicht läuft.
Aber ganz ehrlich...
...ich hätte die letzten fünf Jahre nie alleine geschafft.
Nicht ohne meine Freunde, die manchmal einfach nur da waren.
Nicht ohne meine Familie, die mich immer wieder aufgebaut hat, wenn ich selbst schon überzeugt war, dass ich irgendetwas nie schaffen werde.
Und auch nicht ohne Lehrerinnen und Lehrer.
Ich weiß, manchmal sieht man sie eher als die Menschen, die Schularbeiten schreiben lassen oder Aufgaben geben.
Aber wenn ich heute zurückdenke, dann fallen mir vor allem die Lehrer ein, die sich Zeit genommen haben.
Die nachgefragt haben, wenn sie gemerkt haben, dass etwas nicht passt.
Die an mich geglaubt haben, obwohl ich selbst gerade gezweifelt habe.
Das vergisst man nicht.
Ich glaube, eine der wichtigsten Sachen, die ich in der Schule gelernt habe, steht auf keinem Zeugnis.
Nämlich, dass man nicht alles alleine schaffen muss.
Dass es völlig in Ordnung ist, Fragen zu stellen.
Um Hilfe zu bitten.
Zu sagen: "Ich weiß gerade nicht weiter."
Das ist keine Schwäche.
Ich glaube sogar, dafür braucht es oft mehr Mut, als einfach so zu tun, als wäre alles in Ordnung.
Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die ich euch heute mitgeben möchte.
Nicht alles muss perfekt laufen.
Nicht jeder Weg ist gerade.
Nicht jede Entscheidung wird die richtige sein.
Und das ist okay.
Denn genau wie der Schiefe Turm von Pisa müsst auch ihr nicht perfekt sein, um euren Platz zu finden.
Lasst euch helfen, wenn ihr Hilfe braucht.
Nehmt euch Zeit füreinander.
Und auch wenn ihr es jetzt wahrscheinlich nicht glauben könnt – weil ihr vielleicht gerade auf die nächsten Ferien wartet oder euch denkt, dass dieses Schuljahr einfach nicht enden will ...
Genießt die Zeit trotzdem.
Nicht jede Mathestunde.
Nicht jede Schularbeit.
Aber die Menschen um euch.
Denn irgendwann ist der letzte Schultag da.
Und dann merkt man erst, wie schnell diese Jahre eigentlich vergangen sind.
Ich wünsche euch, dass ihr euren eigenen Weg findet.
Und wenn dieser Weg manchmal ein bisschen schief verläuft, dann denkt daran: Das muss nichts Schlechtes sein.